Deutscher Böhmerwaldbund e.V.


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Erinnerungen an Gustav Schuster


Am 19. September hätte Gustav Schuster seinen 100. Geburtstag gehabt. Aus diesem Anlass haben wir uns, mein Bruder und ich, mit allen Familien-mitgliedern getroffen. Unsere Kinder und Enkel kennen zwar den Böhmerwald, sie waren auch schon am Moldauursprung und mehrmals in Außergefild und wissen, wo wir geboren wurden und kennen auch die Kirche und das Geburtshaus ihres Groß- bzw. Urgroßvaters, aber sie wissen sonst nicht viel über ihn.
Für sie, um mehr über ihn zu erfahren und für uns als Erinnerung, versuche ich sein Leben und Wirken nieder zu schreiben.
Gustav Schuster wurde am 19. September 1917 in Außergefild Nr. 29 als Sohn von Adolf Schuster (Postbeamter) und Maria geb. Friedsam geboren. Seine Eltern verstarben sehr früh (1924), so dass er mit sieben Jahren als Vollwaise mit vier Brüdern aufwuchs. Nach dem Besuch der Volksschule in Bergreichenstein und erfolgreichem Matura-abschluss am Gymnasium in Krummau begann er 1936 an der deutschen Karlsuniversität in Prag sein Studium. Er studierte Germanistik, Slavistik, Volkskunde und Geschichte bis zur ersten Staatsprüfung im Jahr 1939.
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Am 26.12.1939 heiratete er seine Frau Maria, geb. Fuchs in Außergefild 46. Ihre Söhne Manfred und Egbert kamen 1942 und 1944 zur Welt. Weil ab der Heirat die Mitarbeit im Deutschen Studentenwerk Prag und die Waisenpension wegfielen, konnte das Studium nur auf Grund eines fixen Einkommens fortgeführt werden. Deshalb war er Lehrer und teils Schulleiter ab 1.9.1940 in Wran bzw. Königssaal bei Prag bis zur Einberufung. In dieser Zeit war er Doktorand bei Prof. Dr. Gustav Jungbauer und schrieb seine Dissertation „Die Volkssage in der Dichtung Hans Watzliks. Diese war abgeschlossen und im März 1942 positiv beurteilt. Kurz darauf im April Einberufung zur Wehrmacht, innerhalb 2 Tagen zur Luftwaffe, Aufschubversuch vergeblich. Daher keine Möglichkeit zur Ablegung der mündlichen Prüfung und somit kein gültiger Abschluss des Studiums an der Universität.
Nach Kriegsende im Herbst 1945 wurde er in der von Tschechen übernommenen Firma „A. Strunz/Hilz Resonanzholz" als Dolmetscher eingestellt, im Mai 1946 verhaftet und bis September 1946 im Gefängnis in Winterberg inhaftiert. Grund unbekannt. Am 13.November 1946 erfolgte die Vertreibung. Als eine der letzten deutschen Familien aus Außergefild mussten sie ihre Heimat verlassen und landeten schließlich in Aalen in Baden-Württemberg.
Nach der Vertreibung Einstellung im Juli 1947 als Lehrer. Die Lehrbefähigung wurde jedoch nicht anerkannt, da kein Studiumsabschluss. Aus diesem Grunde musste er am Pädagogischen Institut in Esslingen nachschulen und legte im November 1949 die 1. Dienstprüfung für das Lehramt ab. In dieser Zeit lebten wir zwei Buben mit der Mutter bei Praschl Sepp und Kathl in der Neuhütte-Mauth im Haus bei Fam. Hilz.
Nach diesen anfänglichen Startschwierigkeiten wurde er Ende 1949 als Lehrer angestellt, wurde Oberlehrer und Konrektor und ging nach 40 Dienstjahren 1979 in den Ruhestand. Nachdem er endlich seinem Beruf nachgehen konnte, begann er sofort auf kommunaler Ebene, heimatpolitisch und kulturell aktiv zu werden. Bereits ab 1951, als junger Mann mit 34 Jahren, war er als Stadtrat in Aalen sowie auch als Kreisrat im Altkreis Aalen bzw. Ostalbkreis tätig. Sein Hauptanliegen hierbei war stets die Eingliederung der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in die neue Heimat. Behilflich war er zudem bei Anträgen zum Lastenausgleich, Beschaffung von Bauplätzen und Baugeld und bot Landwirten, Handwerkern usw. seine Unterstützung auf dem Weg zur Selbstständigkeit an.
Anerkannt wurde seine 30-jährige Tätigkeit und vielfältigen Leistungen in diesen Gremien am 4.3.1980 durch die Verleihung des „Bundesvedienstkreuzes am Bande" unter Bundespräsident Dr.Carsten.
Seine große Liebe galt dem Böhmerwald und seinen Einwohnern. Die Erhaltung der Muttersprache, der alten Lieder, Tänze, Theater und Schriften über Brauchtum war ihm wichtig. Dadurch angetrieben gründete er in Aalen 1949 die erste Jugend- und Kindergruppe der Böhmerwäldler.
1951 Einübung „Böhmerwäldler Christkindlspiel", nach Geschichten von Hans Watzlik gestaltete Theaterstücke wie der „Dulläubl", „Die Bauern von Schönwillkumm" und „Der hohe Gerichtshof" u.v.m.
Ebenfalls war er Mitbegründer des Landesverbandes Baden-Württemberg sowie des Bundesverbandes der Böhmerwäldler. Lange Jahre war er Bundesjugendleiter und Schriftleiter der Jugend-beilage „Wanderstecken" im „Hoam!". Unter seiner Regie erfolgte die Ausarbeitung der Fibel zur Erneuerung der Böhmerwaldtracht in Zusammenarbeit mit dem „Verein der heimattreuen Böhmerwäldler" in Waldkirchen. Viele Aufsätze, Referate und Vorträge (Stifter, Watzlik, Brauchtum und Heimatpolitik) gingen in nächtelanger Arbeit über seinen Schreibtisch.
Für all dies und die Treue zum Böhmerwald bekam er 1988 die
„Goldene Rose", die höchste Auszeichnung des Deutschen Böhmewaldbundes verliehen.
In diesen Jahren gab es keinen Urlaub. Entweder war er mit der ganzen Familie im Böhmerwaldjugend-Zeltlager in Lackenhäuser am Fuße des Dreisesselberges oder mit seiner Frau in der Mauth. Dabei forschte er bereits für das Heimatbuch über Außer- und Innergefild, welches im Jahre 1975 unter dem Titel „Gefild unter den schwarzen Bergen" erschien. Dabei kam er mit vielen Landsleuten in Verbindung. Zusammen gründeten sie 1970 einen Ortsausschuss Außergefild-Innergefild. Gustav wurde 1. Vorsitzender und blieb dies bis 1995. Es wurde weiter geforscht, gesucht, Unterlagen und Urkunden gesammelt und auch Vorbereitungen zur Patenschaft mit der Gemeinde Mauth erarbeitet. Am 23. Juli 1978 erfolgte die Patenschaftsübernahme durch die Gemeinde Mauth. Seit 1978 findet jedes zweite Jahr ein Patenschaftstreffen statt.
In den folgenden Jahren erbrachten die Außer-und Innergefilder sowie die Philippshüttler einiges an finanzieller Leistung:
1Errichtung eines Ehrenmales für die Opfer der Kriege und die Toten der Heimat in Mauth
2Aufstellung des „Hartauer Gedenksteines zusammen mit dem Deutschen Böhmerwaldbund
3Ausgestaltung einer Heimatstube mit Ortsplan, Fotoreproduktionen, Modellen, Bildern
4Erhöhung des Gefilder Ehrenmales in Mauth und Anbringung von Bronzetafeln für die drei Gemeinden Außergefild, Innergefild und Philippshütte
5Reparatur und spielbereite Instandsetzung der Kirchenorgel in Außergefild
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Im Rückblick stelle ich fest, Gustav Schuster hatte es nicht leicht. Die harte Schul- und Studienzeit als Vollwaise prägte ihn für sein weiteres Leben. Darin war Energie- und Willenskraft, Enthaltsamkeit, Ausdauer wie auch Güte, Treue und Liebe zur Familie und zur Heimat eingepflanzt.
Am 26. Juli 1995 verstarb er in Aalen. Sein letzter Wunsch war:
„Jetzt war`s guat, wenn i a Wasser hätt aus`m Moldaubachl im Gföig".
 
Manfred Schuster, Aalen
Ein Granitstein aus dem Böhmerwald steht an seinem Grab, aufgestellt von Günter Allesch, einem Freund und Landsmann aus Winterberg.